Farblos in Bingen

BINGEN – Eigentlich wussten die Handballer der HSG Worms, was beim Rheinhessenduell bei der HSG Rhein-Nahe auf sie zukommen wird. Nicht umsonst hatte Trainer Gerd Zimmermann seine Schützlinge vor der Partie gegen dem unbequemen und heimstarken Tabellensiebten der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar gewarnt. Doch die Wahrheit lag wie immer im Sport auf dem Platz und für die Handballer aus der Nibelungenstadt war diese eine ganz Bittere: Ohne Esprit und Leidenschaft, aber dafür mit zahlreichen individuellen Fehlern und erfolglosen Abschlüssen verloren die Wormser bei der HSG Rhein-Nahe. 22:23 (8:9) lautete der Endstand im Duell zwischen den beiden rheinhessischen Vertretern in Deutschlands vierter Liga.
„Schlaft ihr ein da unten?“ Diese Frage hallte rund zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff von der Tribüne aus in Richtung Spielfeld. Ein Wormser Anhänger, der die Reise nach Nordrheinhessen mit angetreten hatte, ärgerte sich über das zu langsame Zurückholen des Spielgeräts nach einem Pfiff der Unparteiischen. Und mit dieser Frage traf er den Nagel auf den Kopf, zumindest was die erste Halbzeit betrifft. Nach einem guten Start samt 3:1-Führung (6.) sah vieles danach aus, als würden die Gäste die Punkte aus Bingen entführen. Anders als so mancher Binger Gegner im bisherigen Saisonverlauf, ließ sich die HSG nämlich nicht aus dem Konzept bringen. Zumindest war das in der Anfangsphase der Fall. Doch mit zunehmender Spieldauer baute die Leistung der Wormser stark ab. Auch Rhein-Nahe zeigte nicht den ansehnlichsten Handball, konnte jedoch durch die variantenreiche Spielweise den frühen Rückstand egalisieren. Weil Worms mit jeder gespielten Minute schwächer wurde und sogar zwischenzeitlich nah an der Grenze zum Standhandball agierte, drehte Bingen das Rheinhessenduell. Als die Unparteiischen zum Pausentee baten, gingen die Gäste mit einem 8:9-Rückstand in die Pause. Und keiner im Wormser Lage konnte und wollte das Geschehene so recht glauben. „Unfassbar. Wir hätten auch genauso gut mit einer 5-6 Tore führen in die Pause gehen können oder gar müssen“, ärgert sich Gerd Zimmermann, der entsprechend deutlich die Probleme in der Halbzeitpause angesprochen hat.
Die Halbzeitansprache des Trainers zeigte nach dem Seitenwechsel offenbar Wirkung. Zwar zeigte Worms weiterhin nicht den besten Handball, jedoch wirkte die Mannschaft zumindest leicht formverbessert und leistungsbereiter. Folgerichtig machte die HSG aus dem Rückstand Mitte der zweiten Halbzeit wieder eine 15:14-Führung (43.). Doch dazu brauchte es eine doppelte Überzahl für die Gäste aus Südrheinhessen. Als die gastgebende HSG wieder mit sechs Feldspieler agierte, war wie so oft im Spielverlauf ein Patt auf der Platte. Worms legte stets ein oder zwei Treffer vor, entscheidend absetzen konnte sich die Zimmermann-Sieben jedoch nicht. „Wir haben viel zu viele Fehler gemacht, den Ball planlos nach vorne geworfen oder unvorbereitet aufs Tor geschossen“, sagt Gerd Zimmermann, der damit insbesondere die Schlussphase gemeint hat. Obwohl die Gäste in der 57. Spielminute mit 21:20 in Front lagen, ging die Partie schlussendlich verloren. Und das durchaus verdient. „Mit so einer Leistung brauchst du dich nicht wundern, wenn der Gegner gewinnt. Gegen Saarpfalz müssen wir vieles besser machen, das sind wir uns und unseren Fans schuldig“, so Gerd Zimmermann.
Aufstellung: Gieger, Elgert, Kulasezwicz, D. Markert (3), F. Markert (5), Gerdon (2), Zimmermann (3), Christmann (2), Russ (2), Balaz (2), Schloß (3)

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