Fight gegen Saarpfalz

WORMS – Handball ist Emotion pur. Genau das zeigte das Oberliga-Spitzenspiel zwischen der HSG Worms und der VTZ Saarpfalz eindrucksvoll. Denn in der fast ausverkauften Nikolaus-Dörr-Halle ging es auf und abseits des Spielfeldes hoch her. Sieben Sekunden vor dem Schlusspfiff machte kein Akteur mehr Anstanden, eine Aktion für die Farben seines Vereins erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Denn die Gäste führten mit 29:31 und in den vorausgehenden 59 Spielminuten war vieles passiert. Kurz vor der angesprochenen Regungslosigkeit der Protagonisten verabschiedeten sich beispielsweise auf den beiden Seiten Spieler mit einer Roten Karte. Auch der Wormser Zeitnehmer wurde nach Tumulten von seinem Platz verwiesen, sodass die Spieluhr nicht einmal mehr ablaufen konnte. „Das war ein sehr unwürdiges Ende für ein sehr ansehnliches Handballspiel“, kommentierte HSG-Trainer Gerd Zimmermann die Ereignisse, als sich die Schiedsrichter und lautstarken Pfiffen der Zuschauer in ihre Kabine verabschiedeten. Doch was war geschehen?
Zunächst einmal hielt das Duell zwischen dem Tabellenfünften aus Worms und dem Tabellendritten aus Zweibrücken all das, was man sich von einem Spitzenspiel in Deutschlands vierter Liga versprochen hatte. Beide Mannschaften gingen vom Anpfiff weg extrem motiviert zu Werke, wobei die Gäste deutlich nervöser agierten. Folgerichtig ging die HSG mit 4:1 in Führung (6.) Aus einem extrem geschlossenen Deckungsverbund jagten die HSGler den Mannen aus den Rosenstand die Bälle ab und erzielten auf der Gegenseite konsequent Tore. „Das war genau die Reaktion, die ich nach dem miesen Auftritt in Bingen von meiner Mannschaft sehen wollte“, lobte Gerd Zimmermann seine Schützlinge, die ihre Drei-Tore-Führung aber schnell wieder hergeben mussten. Das lag zum einen an zunehmend fokussierter und effizienter agierenden Gästen. Zum anderen musste die HSG aber auch früh im Spiel ständig in nummerischer Unterzahl agieren, da die Unparteiischen reihenweise fragwürdige Entscheidungen gegen Worms fällten. Trotzdem hielt die HSG mit der Unterstützung des Publikums dagegen und legte bis in die Schlussphase des ersten Durchgangs stets einen Treffer vor. Beim Spielstand von 10:10 drehten dann aber die favorisierten Gäste die Partie und gingen mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Halbzeitpause (14:16, 30.)
Diesen Rückstand wollten die Wormser nach dem Seitenwechsel unbedingt drehen. Doch der Schuss ging nach hinten los. Überhastete Aktionen und mangelnde Konsequenz im Abwehrverhalten führten dazu, dass Zweibrücken den Vorsprung bis zur 36. Spielminute auf 15:21 ausbaute. Als alles nach einem Debakel für die Gastgeber aussah, drehte die Zimmermann-Sieben jedoch wieder auf. Angeführt vom wacker kämpfenden Fabian Markert (7) gelang den HSGler der Anschluss. Doch beim Spielstand von 20:22 (42.) waren es erneut fragwürdige Zeitstrafen gegen die HSG, die eine Wende gegen clever agierende Gäste verhinderten. Auch den bis dahin stärksten Wormser, Fabian Markert, erwischte es. Seine dritte Zweistrafe und der daraus resultierende Platzverweis war der K.O. für die Gastgeber.  Zwar blieb das Spiel trotzdem bis zum Schluss spannend, eine Wende war jedoch nicht mehr zu schaffen. An der Leistung und der Einstellung der Wormser lag es allerdings nicht, wie man sich auf der Tribüne einig war. „Heute hätten wir niemals ausgleichen können, vorher hätten wir mit Sicherheit wieder eine Zeitstrafe kassiert“, sagte ein Zuschauer beim Verlassen der Halle in Richtung Wormser Trainer und traf damit den Tenor, der im Publikum vorherrschte. Die Leistung der Unparteiischen wollte Gerd Zimmermann als fairer Sportsmann allerdings nicht als Grund für die neuerliche Niederlage anführen. Stattdessen bilanzierte er: „Wir haben uns im Vergleich zu Bingen um 200 Prozent gesteigert, aber wir hatten auch einen ganz starken Gegner. Trotzdem hätten wir es selbst in der Hand gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Aber dafür haben wir die eine oder andere Chance zu viel liegen lassen.“
Aufstellung: Elgert, Gieger, Balaz (2), Russ (1), Eusterholz (1), F. Markert (7), D. Markert (6), Kulaszwicz (1), Schloß (4), Christmann (3), Metzdorf (1), Zimmermann (3)

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