Kein Heimsieg, sondern ein siegreiches Spektakel

WORMS – Wenn Fans die Leistung der eigenen Mannschaft nach Abpfiff minutenlang beklatschen, der Hallensprecher nach 60 Spielminuten seine verloren gegangene Stimme sucht und der Trommler genauso geschwitzt ist wie Trainer und Spieler, dann kann es kein ganz normales Handballspiel gewesen sein. So geschehen beim Handball-Spitzenspiel in Deutschlands vierthöchster Spielklasse zwischen der HSG Worms und den Handballfreunden (HF) Illtal: Am fünften Spieltag der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar lieferten sich die beiden Mannschaften ein packendes Duell, das am Ende die gastgebende HSG Worms für sich entschied. Mit 33:31 (14:16) besiegte die Mannschaft von Trainer Gerd Zimmermann in der restlos ausverkauften Nikolaus-Dörr-Halle die Zebras und eroberte sich durch den doppelten Punktgewinn die Tabellenführung in der Oberliga zurück.

Unglaubliche Tore, ständige Führungswechsel, harte Fouls, brillante Torhüterparaden und eine Stimmung mit Bundesligaformat, all das und noch viel mehr brachten sowohl Heimtrainer Gerd Zimmermann als auch Gästetrainer Steffen Ecker bei der Pressekonferenz nach dem Spiel ins Schwärmen. Während der Illtal-Trainer trotz „sehr guter Leistung der Mannschaft“ ganz im Stile eines fairen Sportmanns von einem verdienten Sieg der Gastgeber sprach, wusste Gerd Zimmermann überhaupt nicht, mit welchem Lob er überhaupt beginnen sollte. „Ausgenommen von den zahlreichen Fehlpässen in Durchgang eins war das eine ganz große Leistung meiner Mannschaft, die trotz Rückstand niemals aufgegeben hat und als Kollektiv diesen sau starken Gegner letztlich besiegen konnte. Ich bin stolz auf die Moral und die Leistung meiner Truppe. Aber was da insbesondere in der Schlussphase an Lautstärke und Unterstützung von den Fans kam, habe ich so selten erlebt. Es war ein unfassbares Spiel und Werbung für den Handballsport.“

Vom Anpfiff weg sahen die rund 350 Zuschauer ein hochklassiges Handballspiel. Die Gäste aus dem Saarland erwischten dabei den besseren Start. Immer wieder fanden die Zebras mit ihrem gefürchteten Tempohandball aus dem gebundenen Spiel heraus Lücken im Wormser Deckungsverbund, der im Vergleich zur Niederlage in Budenheimer wieder in der 6:0-Formation agierte. Einen Wormser Fehlstart verhinderte einzig und allein Rechtsaußen Alexander Eusterholz (5), der nach acht Spielminuten bereits zwei Tore und eine Vorlage auf dem Konto hatte (3:5). Mit zunehmender Spieldauer fand auch der Wormser Rückraum, der erneut früh auf den abermals am Kopf verletzten Spielmacher Denis Markert (6) verzichten musste, besser ins Spiel. Weil gleichzeitig auch die HSG-Abwehr um Torwart Sascha Gieger von Minute zu Minute besser ins Spiel fand, war Mitte der ersten Halbzeit der Ausgleich geschafft (8:8, 15.). Trotzdem war Illtal bis zum Pausenpfiff die spielbestimmende Mannschaft, da sie sich im Vergleich zur HSG deutlich weniger Abspielfehler im Vorwärtsgang leistete. Halbzeitstand: 14:16 aus Sicht der Gastgeber. Erst in der Schlussviertelstunde gelang es den HSGlern, die Weichen auf Heimsieg zu stellen. Die Wende war dabei auf gleich mehrere Faktoren zurückzuführen: Zum einen entschärfte Torwart Sascha Gieger einige Torwürfe des Gegners, zum anderen schwächte sich Illtal durch eine rote Karte nach grobem Foulspiel gegen Jörn Christmann und mehreren Zeitstrafen selbst. Und zugleich legte die HSG an Effizienz zu und erlaubte sich, angeführt vom wiedergenesenen Denis Markert, keine Patzer mehr im Angriffsspiel. Mit der lautstarken Unterstützung der Fans ging Worms in der 48. Spielminute durch Denis Markert mit 25:24 in Führung und gab diesen knappen Vorsprung bis zum Schlusspfiff nicht mehr her. „Wir haben das Spiel natürlich gefilmt und überlegen gerade ernsthaft, das komplette Spiel über unsere Internet-Kanäle online zu stellen. Denn jeder der diese Partie nicht gesehen hat, hat etwas verpasst. Drei Heimsiege bei drei Anläufen zeigt, dass die Nikolaus-Dörr-Halle in dieser Saison eine absolute Festung ist und das hoffentlich auch bleibt“, sagt Hallensprecher Florian Stenner.

Aufstellung: Gieger, Balaz, Russ (2), Eusterholz (5), Kulaszewicz, F. Markert (4), Schloß (5), Gerdon (2), Christmann (4), D. Markert (6), Metzdorf (1), Reichelt (1), Zimmermann (3)

1 Antwort

  1. Wenn man das Spiel über den Internet Kanal sehen könnte, wäre dies grandios!
    Als Ur – Leiselheimer und selbst in den 90 zigern mit Kalle Böhnert die Mannschaft in der Regionalliga begleitet, verfolge ich natürlich das Geschehen nach wie vor aus dem fernen Bayern.

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